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Leinland-Ideen werden Wirklichkeit

„Du Oma, was ist denn das für eine Tür?“, fragte Sarah ihre Oma als sie nach dem Kuchen essen ihre Spielsachen auf dem großen Fransenteppich in Omas Wohnzimmer ausbreitete. Sie deutete mit dem Finger auf die Blümchentapete zwischen Couch und Kommode, auf der sie eine winzig kleine Tür entdeckt hatte. „Ist die nicht schön? Die ist neu. Selbstgemacht“, erklärte Oma. Stolz glitzerte in ihren hellbraunen Augen. Oma saß noch immer am Tisch und schaufelte sich ein weiteres Stück Kuchen auf den Teller, das dritte. „Ja, aber für wen ist die?“, hakte Sarah nach. „Das weiß ich noch nicht genau“, erwiderte Oma. Sie zuckte mit den Schultern und versenkte ihre Gabel in der Butterkremtorte. „Jetzt kapiere ich gar nichts mehr. Wenn du dir so eine kleine Tür anschaffst, musst du doch wissen, für wen?“, wunderte sich Sarah und setzte sich im Schneidersitz vor die kleine Tür.
Oma balancierte ein großes Kuchenstück auf ihrer Gabel in Richtung Mund. „Wenn du dir eine Haustür zulegst, weißt du ja auch nicht, für wen genau du sie im Laufe deines Lebens öffnen wirst, oder?“, sagte Oma kauend und schüttelte den Kopf als hätte Sarah eine wirklich dumme Frage gestellt.
„Aber warum hast du die Tür überhaupt hineingebaut? Es gibt doch niemanden, der dadurch passt, außer vielleicht Mäuse“, fragte Sarah diesmal mit mehr Nachdruck.

„Woher willst du das wissen? Vielleicht haben sich die ganz kleinen Leute bislang einfach nur von der großen Haustür abschrecken lassen. Wenn man nur große Türen hat, findet man nicht heraus, ob es kleine Leute gibt.“

Sarah starrte ihre Oma mit offenem Mund an. Eine leise Angst beschlich sie. War ihre Oma vielleicht übergeschnappt? Oder zu viel allein? Sarah beugte sich nach vorne und betastete die kleine Tür. Sie war aus massivem Holz, bunt bemalt und mit einer kleinen, metallischen Türklinke ausgestattet. Es gab sogar ein winzig kleines Schlüsselloch darunter. Vorsichtig drückte sie mit dem Finger die Türklinke herunter und tatsächlich öffnete sich die Tür mit einem leisen Quietschen. Gleißendes Licht fiel durch die Türöffnung ins Zimmer. Sarahs Augen weiteten sich und sie sog die Luft vor Überraschung scharf ein. „Was, … was ist das?“
Doch Oma hörte ihr gar nicht zu. Ein Seitenblick auf Oma verriet Sarah, dass die alte Dame nur noch Augen für das kleine Schauspiel hatte. „Und? Kommt jemand herein?“, fragte sie neugierig und tastete nach ihrer Brille, die nie weit von ihr entfernt lag. Noch bevor Sarah antworten konnte, drangen seltsame Laute aus der Öffnung ins Zimmer, Vogelzwitschern, ein Brüllen, wie von einem sehr kleinen Tiger, ein Quieken und ein helles Wiehern, ein Rascheln und Pfeifen, als würde sich ein ganzer Miniatur-Dschungel hinter dieser Tür verbergen. Ein Windstoß blies durch die Tür und trug einen wunderbar süßlichen Duft ins Zimmer, direkt in Sarahs Nase. Sie schloss die Augen, um dem Duft nachzuspüren und hatte plötzlich das Gefühl, auf einer Lichtung inmitten exotischer Pflanzen zu stehen. Selbst den Duft des Grases konnte sie vernehmen, es roch auf unerklärliche Weise gelb-rosa. Und dann war da noch etwas, ein Aroma, dass sie nicht einordnen konnte, aber es roch verheißungsvoll und ein Schauer fuhr ihr über den Rücken. „Mh, das riecht nach Abenteuer“, sagte Oma und reckte ihre Nase in die Höhe.

Die Geräusche wurden plötzlich lauter. Instinktiv schloss Sarah die Tür mit einer schnellen Handbewegung. „Oma, was ist das für ein Ort?“, fragte sie erneut. Dabei suchte sie den Blick ihrer Oma, die im Gegensatz zu ihr überhaupt nicht ängstlich wirkte. „Ich weiß es nicht, meine liebe Sarah. Aber es klingt und duftet nach einem herrlichen Ort, meinst du nicht?““, schwärmte sie.
Unsicher zwirbelte Sarah an den Fransen des Teppichs und starrte gedankenverloren auf die kleine Tür. Sie antwortete nicht. Diese kleine Tür brachte ihr Weltbild tatsächlich vollkommen ins Schwanken. Wie sollte sie das ihren Eltern erzählen?

Oma spürte die Unsicherheit ihrer Enkelin. „Lass dich nicht verwirren, Kindchen“, sagte sie beschwichtigend und schüttete sich in aller Seelenruhe einen weiteren Kaffee ein, als wäre dies ein ganz normaler Nachmittag. „Das ist doch einfach nur neu, nichts weiter. Überleg mal, als du klein warst, war alles neu für dich, Kuchen, Toaster, Bäume, Staubsauger…“
„Ja Ok, ich verstehe was du meinst. Aber ich denke, dass man das nicht vergleichen kann, Oma.“ „Warum nicht? Warum sollte denn das Wunder eines Staubsaugers nicht mit dem Wunder einer kleinen Tür vergleichen können? Früher hättest du da keinen Unterschied gemacht.“ Das stimmte und irgendwie klangen Omas Worte logisch, musste Sarah zugeben.

Nun legte Oma ihre Kuchengabel beiseite und stand auf. Sie wischte sich mit der ihr typischen Handbewegung über den karierten Rock und ließ sich neben Sarah auf dem Teppich nieder. Nun schauten sie beide auf die kleine Tür. „Falls du dir auch eine Tür bauen möchtest, empfehle ich dir, dir gut zu überlegen, wie du sie gestalten möchtest, denn das hat viel Einfluss darauf, was dich dahinter erwartet oder wer dich besuchen kommt.“ Bei diesen Worten beugte sich Oma vor und tippte mit dem Finger auf die Türklinke. „Du würdest schließlich auch keine Tür öffnen, die dir nicht gefällt, oder?“, sagte sie und zwinkerte ihrer Enkelin zu.

Jetzt lächelte Sarah. Das machte Sinn. Und eigentlich mochte sie Abenteuer, sehr sogar. Als Oma die Tür öffnete und das magische Licht hereinströmte, formte sich in Sarahs Kopf bereits ein Entwurf für eine eigene Tür, die sie direkt nach ihrer Heimkehr in ihrem Zimmer installieren würde. Vielleicht würde sie noch einen Mini-Briefkasten daneben stellen und einen kleinen Brief hineinlegen, für den Fall, dass die Tür geöffnet wurde und sie gerade in der Schule war. Und dann beugten sich beide vor, Sarah und ihre Oma, um diesmal genauer hinzuschauen, was sich hinter der Tür verbarg und um ja nichts zu verpassen.

Bastelt eure Tür am besten mit Salzteig. Zwei Tassen Mehl, eine Tasse Salz, eine Tasse Wasser und einen Esslöffel Speiseöl. Beim Kneten noch ein wenig Mehl hinzugeben, bis ihr die Konsistenz habt, die ihr zum Formen eurer Tür benötigt. Den Teig anschließend bei 120 Grad ca. 1,5 Stunden backen. Nach dem Auskühlen mit Acrylfarbe bemalen. Viel Spaß!

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